Presseschau

  • In den achtzigern war alles besser... oder?


    Da man sich langsam der beängstigenden Dreissig-Jahre-Grenze nähert gewinnt die ewige Jugend plötzlich unproportional an Attraktivität. Was für ein besseres Motto als \"Forever Young\" kann es da geben, also nix wie hin ans Konzert von Alphaville.


    Ah, die Achtziger. Damals, da war man Kantischüler. Als fest im klassischen Rollenbild verankertem Jugendlichen gab es genau eine Vollzeitbeschäftigung, die sozial akzeptiert war. Nein, es war nicht das Tauschen der \"Tschüttelibildli\" - das ist jetzt eher gefragt - sondern das Sammeln von Katalogen und das quartettartige Vergleichen der Kenndaten sämtlicher Stereoanlagen. Was heute der Glaubenskrieg zwischen Tupper(i)Mac und Wintel-Monopolistenware war damals die Frage, ob es denn nun Hitachi, Sony, Technics oder allenfalls noch Panasonic sein dürfe. Bang&Olufsen war unerreichbar, sozusagen die Cray-2 der Stereoanlagen, und dass Sanyo, Aiwa und M-Electronics einen zum instantanen Paraiha machte, war ungeschriebenes Gesetz.


    Zufrieden reminiszierend, darüber wie es damals war, als man den Kollegen ausbot mit einer Anlage, die einen grafischen Equalizer mit 23 statt der bisher unangefochtenen 22 Frequenzen hatte betrat ich also das X-Tra Limmathaus und bliebt wie angewurzelt stehen. Da hat es neben dem Mischpult nicht nur einen Equalizer, nein gleich deren drei - ob die nun 22 oder 23 \'Hebel\' hatten tut nichts zur Sache - aber eines war klar: Welcome back to the Eighties.


    Gespanntes warten auf den Auftritt von \"Alphaville\" - die Band die einem Ende der Achtziger den Spott der Klassenkameraden garantierte, auf die man jedoch trotzdem nicht verzichten mochte. Der Saal wird dunkel, die vertikal aufgehängten Trampoline werden mit irgendwelchen Eighties-Mustern beleuchtet, das Trockeneis dämpft auf der Bühne: und da sind sie, die 4 alten Jungs.


    Und dann der Schreck. Welch ein Verbrechen an den Idealen der pubertierenden Achtziger-Teenies: Der Mann am Mischpult hat 3 Equalizer und weiss nicht wozu die gut sind. Die Bässe sind laut, die Höhen inexistent. Wahrscheinlich rafft der genauso wenig wie wir damals, wozu so ein Ding was taugt. Haben musste man es, das grösste natürlich, was man danach - abgesehen vom Einstellen lustiger Treppchen mit den vielen Hebeln - damit machen konnte war egal. So schien es auch gestern im ersten Moment zu sein. Oder lag es einfach daran, dass die Boys aus der Band in den 15 Jahren doch noch den Stimmbruch gekriegt hatten? Zum Trost war es wenigstens laut. Sehr laut.


    Das Lied liess sich knapp erkennen. Ob der dürftigen Qualität ein etwas verwirrter Blick zu den Kollegen, einer davon findet: \"Na ja, ist ja klar, dass sie nicht mit einem Hit anfangen, wär ja ein rechtes Armutszeugnis\". Tja, mein lieber Freund, es ist \"Jet Set Society\". Das war einer der 3 Hits, die sie hatten. Eben. Armutszeugnis halt.


    Zum Glück ist\'s laut. Sehr laut. Also nix wie rein in die Ohren mit den Stöpseln, so hat man am Ende des Konzerts wenigstens das Feuchtbiotop in den Gehörgängen, besser als nix. Und siehe da. Der verzerrte Sound hat System. Endlich hat jemand gerafft, wie man die nicht-linearen Dämpfungscharakteristika der Ohropax überlistet. Die Bässe sau-laut, die Höhen sanft und leise, wenn man\'s durch den gelben Kunststoff hört, tönt\'s fast wie ab CD. Damit auch alle die Dinger reinstopfen, die Musik auf Fluglärmlevel spielen, die Leute im Quartier sind sich\'s ja gewöhnt, jetzt wo der Unique Airport umgebaut wird!


    Auch optisch wird an die Achtziger erinnert. Überall. Auf der Bühne wackelt der Sänger mit seinen Hüften. Gerne erinnere ich mich an die 80ies, damals hätte er noch gedurft. Zugegeben, auch meine Hüfte ist nicht mehr so sexy wie vor 15 Jahren. Genau das ist ein Grund dafür, dass ich meine Pirelli im Publikum versteckt und nicht auf der Bühne exponiert schüttle. Sollte der Sänger auch mal probieren. Man sieht dann den Bauch nicht so wackeln.


    Überall. Das gilt auch für die Trampoline. Dort wird zwischenzeitlich ein rotierendes Atom-Müll-Logo in allen farben projiziert. Ach, was waren die Achtziger schön, zum Beispiel der 26. April 1986. Gut erinnern uns die Leute daran. Ein strahlender Sänger in Erinnerung an ein strahlendes Jahrzehnt. Darauf folgen die kreisartigen Wellen, die sich im Kreis drehen. Modern genug, damit man nicht gleich bis zu Tim Leary durchfällt, aber doch noch mit einem Hauch psychedelischer Ahnungen. Und dann wieder irgendwelche wirren Muster, es erinnert mich ein wenig an die Landschaft meines Computerspiels, mit dem ich per Helikopter durch die Schluchten flog. Damals, als man beim Begriff \'Texture Mapping\' noch was von der Texture erkennen konnte. Oder kam \'Comanche\' schon Anfangs der Neunziger? Offenbar nehmen\'s die nicht so genau mit den Eighties! Schande über sie.


    Unterdessen hat sich die Band bis zum zweiten Hit durchgesungen. Big in Japan kennt man sogar. Und ein Hit ist ein Hit, also nix wie raus mit den Stöpseln. Oh Wonne. Gibt\'s doch gar nicht. Anscheinend hat der Knilch am Mischpult keine Ohropax gekriegt und realisiert, dass es nicht wirklich ein Genuss ist, Musik durch einen Tiefpassfilter zu hören. Oder vielleicht hat er einfach das Manual zum Equalizer gefunden. Oder das Feuchtbiotop hat meine Gehörgänge so verändert, dass sich mein Ohr den Gegebenheiten angepasst hat. Auf jeden Fall ist die Musik plötzlich ein Genuss.


    Die Band gibt alles, der Keyboarder allen voran. So muss es sein. Damals war ein Synthi noch ein Synthi. In hohen Tönen, je künstlicher, desto besser. Axel F. hat\'s uns gelehrt, Alphaville hat\'s perfektioniert. Wen kümmert da noch Alfred Moog oder Jean-Michel Jarre! Jetzt wird so richtig abgefahren.


    Und als die Jungs dann endlich singen, das sich vorzugaukeln alle hier versuchen, sonst wären sie ja nicht gekommen, nämlich \"Forever Young\" ist das Publikum nicht mehr zu halten. Ist auch gut so, der Sänger hat nämlich den Refrain vergessen und ist froh, dass er das Mikrofon in die Menge richten kann und diese seinen Job macht. Kriegen wir ein wenig Geld zurück? Oder war das gar geplant? Wie clever so Bands damals doch waren.


    Während die Stimmung stetig steigt trauert man den Achtzigern auch modisch nochmals nach, schliesslich waren Jeans damals ein Fashion-Statement. Aus 100% Baumwolle. Nicht so wie die heutigen Papp-Mache Hosen aus 75% Polyester. Geschwitzt hat man zwar auch damals, aber heute saugen es die Hosen nicht mehr auf. Na ja, in die Jeans von damals passt man halt auch ohne Atmen nicht mehr rein.


    Und als es dann so richtig schön ist, endet das Lied, das Licht geht an und die traurige Wahrheit blendet einen. Es gibt keine Zugabe. Geht ja nicht, die haben alle Lieder gespielt, die sie hatten. Und als man sich, der Enttäuschung sicher, den Kollegen zuwendet, geht\'s plötzlich nochmals los. Die scheinen doch mehr im Repertoire zu haben, als man sich erinnern kann. Es reicht sogar zu zwei Zugabe-Blöcken, die auch artig erklatscht werden.


    Haben die sich gewandelt? Oder konnte der schon immer melancholische Slows singen? Und wieso tönt\'s jetzt plötzlich Depeche-Modesk (alle Rechte an diesem Wort liegen bei Reto)? Dieser Beat? Kennt man heute noch, einfach ohne Melodie dazu. Hm, mit dem Alter merke ich je länger je öfter, dass der Techno, den ich Anfangs als \'un-musik\' abgetan habe, erstens schon länger existiert hat als ich dachte und zweitens auch bei mir nach 10 Jahren Marktpenetranz salonfähiger geworden ist.


    Als dann endgültig Schluss ist, wissen es alle: Die Achtziger sind vorbei. Zum Glück? Leider? Spielt keine Rolle, solange es diese Reservate gibt, können wir getrost in der Gegenwart leben, wohl wissend, dass es Helden gibt, die die grossen Errungenschaften und Rohrkrepierer unserer Pubertät bewahren.


    Urs Beeli, Zürich, Oktober 2000
    Quelle: http://www.ursbeeli.ch/alphaville.shtml

  • Alphaville - die Zukunft hat gerade erst begonnen !


    Forever Pop erscheint nun ein neues Remix Album von Alphaville…was hat Euch letztendlich zu dem Entschluss \"getrieben\" dieses Album zu veröffentlichen?


    Es wurde Zeit nach all den Jahren, endlich mal neue Versionen zu machen , es machte nämlich keinen Spaß mehr immer noch die verstaubten Produktionen hören zu müssen. Und um wirklich frisches Blut in die Adern dieser Songs zu pumpen, haben wir uns entschlossen, die Hauptarbeit von anderen Remixern, Produzenten und DJ´s wie Paul van Dyk, FAF, Eiffel 65, De Phazz, Roland Sprenberg u.a. machen zu lassen.


    Zu dem Album, habt ihr eine auf 1500 Stück Limitierte MCD kostenlos an Eure Fans verschickt? Wie seid ihr auf diese sensationelle Idee gekommen und wie deckt ihr diese Kosten?


    Wir wollten uns einfach nur bei den treuesten Fans bedanken, die selber unglaublich viel auf die Beine stellen. Die konnten per email ihren Namen einsenden und ihn dann später gedruckt auf dem Cover lesen. Wir fanden, dass es mal Zeit wurde so etwas zu machen nach all den Jahren. Es ist als \"Danke schön\" gemeint. ...und soooo teuer ist das ja nun nicht 1500 MCD´s zu pressen, und das Porto für d n Versand haben die Fans selber getragen....es war halt ein wenig Arbeit.


    Die neuen Versionen erinnern sehr an die Musik, die zur heutigen Zeit modern ist und nicht unbedingt nur in unserer Szene zu hören, war das Absicht?


    Ja das war schon Absicht. Alphaville hat sich in den vergangenen fast 20 Jahren (oh gott ...wie lange ist das schon her...) nie dadurch ausgezeichnet besonders eindimensional oder vorhersehbar zu agieren. Die Songs sind ja auch sehr verschieden, insofern war es gut und richtig verschiedene Richtungen auszuprobieren. Das Wunder ist eigentlich dass es trotzdem einen sehr runden Bogen auf dem Album gibt.


    Ihr habt Euch von vielen Acts remixen lassen? Seit ihr mit den remixen vollsten zufrieden?


    Ich bin sehr, sehr zufrieden mit den Remixen, die ja eigentlich mehr sind als das, da alle tracks inklusive der Vocals neu aufgenommen wurden. Einen kleinen Ausrutscher gab es, Todd Terry hat eine etwas unbefriedigende Version von \"Forever Young\" produziert (ist auch nicht auf dem Album), aber das war irgendwie nichts neues... die bekanntesten Produzenten liefern meistens den größten Schrott ab. Das ist uns jedenfalls schon öfters passiert. Alle anderen haben extrem gute und inspirierte Arbeit geleistet. Jeder auf seine Art.


    Gab es einen Remixer, den ihr gern haben wolltet, aber nicht bekommen habt?


    Nein, alle standen dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber.


    Betrachtest Du Alphaville eigentlich noch als eine Szeneband? Ihr habt ja eher mehr Szene Untypische Bands, Produzenten oder DJs an Eure Werke gelassen...Befasst ihr Euch eigentlich mit Bands wie Mesh, Camouflage, Front 242 oder Apoptygma Berzerk?


    Seltsamer Weise haben wir uns nie bemüht Teil einer bestimmten Szene zu sein. Nicht aus Arroganz, sondern aus einer gewissen Unsicherheit heraus, die durch den immensen Erfolg ganz am Anfang herrührt, auch wenn das vielleicht nicht ganz nachvollziehbar ist , aber für mich erscheint das im nachhinein so. Es ist ja auch schwierig als Szeneband zu gelten wenn man mit der ersten Single die man veröffentlicht einen Nummer 1 -Hit landet, was ja bedeutet, dass man szeneübergreifenden Erfolg hat. Es gab wahrscheinlich deshalb eine lange Phase Ende der achziger in der wir uns völlig in unseren Elfenbeinturm genannt \"Studio\" zurückgezogen haben und uns mit uns selbst beschäftigt haben. Inzwischen ist das aber anders, heute sehe ich Alphaville mehr als Szeneband denn je.... Wobei das natürlich immer die \"Szene\" entscheidet wer dazugehört und wer nicht. Camouflage kennen wir im übrigen persönlich.... Meine absoluten Favoriten sind allerdings Wolfsheim. Jose Alvarez-Brill der Produzent des letzten Wolfsheim-Albums \"Spectators\" und Mitglied von Care Company hat für das Forever Pop Album \"Victory of Love\" gemischt und auf der Fanedition MCD ist auch eine Version von \"Forever Young von ihm, die ich extrem gelungen finde.


    Ihr seid durch das Internet sehr nah mit Euren Fans verbunden... welches ist für Euch die positivste Eigenschaft des Internets?


    Es gibt ganz viele positive Seiten am Internet. Die wichtigsten für uns sind ganz sicher der ziemlich direkte Kontakt und Austausch mit den Fans, die sehr schnell aktualisierbare Präsentation und Information über die Website und das direkte Anbieten von Musik und Visualisierungen sowie die dadurch entstehende Unabhängigkeit von herkömmlichen Strukturen.


    Das Internet bietet auch viele Diskussionsforen, wo u.a. auch über Euch diskutiert wird. Einige Eurer Fans behaupten, das ihr musikalisch wie textlich mit Depeche Mode mithalten könntet...warum seit ihr nicht so erfolgreich?


    Tja, Erfolg ist relativ, für mich jedenfalls. Aber Depeche Mode sind sicher eine Ausnahmeerscheinung, die es geschafft haben sich kontinuierlich weiter zu entwickeln, ohne Brüche zu hinterlassen, und sich somit über die Jahre verdientermaßen eine sehr große treue Fangemeinde aufgebaut haben. Alphaville hatte vermutlich zu viele \"Brüche\" in der Entwicklung, die vielleicht nicht immer nachzuvollziehen waren für den Außenstehenden. Insbesondere unser zweites Album hat wahrscheinlich viele verschreckt. Heute nach all den Jahren würde ich mir wünschen, dass \"Salvation\" (unser letztes Studioalbum von 1997) das zweite gewesen wäre, aber man kann die Geschichte ja nicht zurückdrehen. Allerdings muß ich nochmals erwähnen, dass auch AV eine extrem treue weltweite Fangemeinde hat, auch wenn sie zahlenmäßig ein wenig kleiner ist als bei DM.


    Was haltet ihr davon, wenn Euch andere Bands, wie z.B. Guano Apes neu interpretieren?! Es ist immer schmeichelhaft wenn andere Acts Songs von uns covern. Um ehrlich zu sein fand ich die Guano Apes Version von \"Big in Japan\" eher grauenhaft, wohingegen die deutsche \"Forever Young\" Version von Karel Gott, die ja auch aus dem letzten Jahr stammt ziemlich gelungen ist.


    Wird man alphaville noch mal live erleben?!


    Auf jeden Fall, für das nächste Jahr ist eine größere weltweite Tour geplant. Daten stehen aber noch nicht fest, sind aber immer auf der http://www.alphaville.de Seite zugänglich sobald sie amtlich sind.


    Vermisst ihr Eure vergangene Popularität?


    Erfolg zu haben ist natürlich etwas schönes, und wir haben sichelich bei jeder Veröffentlichung gehofft auch zahlenmäßig soviel Erfolg zu haben wie am Anfang. Aber so ein überdimensionaler Erfolg wie 1984 hat auch seine Schattenseiten, und wir haben es immerhin geschafft uns selbst treu zu bleiben, und das zu tun was uns Spaß macht. Ich persönlich vermisse die Popularität eigentlich nicht, da sie mehr einengt als einem Freiheiten zu geben.


    Wie seit ihr eigentlich auf den Namen Alphaville gekommen?


    Der Name stammt aus einem alten schwarz/weiß Film von Jean-Luc Godard mit Eddie Constantine in der Hauptrolle. Der spielt eine Art \"James Bond\" und versucht die Stadt \"Alphaville\" von der terrorherrschaft eines Computers zu befreien. Wie könnt ihr Euch den grossen Erfolg erklären, den der Synthie Pop zur Zeit immer mehr feiert?


    Ich habe es ehrlich gesagt aufgegeben Erklärungen zu suchen warum ein Song oder ein Stil kommerziell erfolgreich ist oder nicht. Ich denke aber, dass es im Synthpop-bereich noch viel unentdecktes Potential gibt.


    Ärgert Euch die vorherrschende Internet Piraterie?


    Ja klar ärgert mich das. Wobei ich einen großen Unterschied mache zwischen dem einzelnen Musikhörer, den ich natürlich verstehen kann (wer nimmt nicht gern etwas umsonst) und Unternehmen wie Napster u.ä. die als börsennotierte Unternehmen die Künstler betrügen. Ich finde es völlig ok wenn Freunde sich gegenseitig austauschen, aber einen weltweiten organisierten Austausch mit dem dann auch noch jemand richtig Geld verdient lehne ich ab.


    Was plant ihr noch für die Zukunft?


    GANZ VIEL...DIE ZUKUNFT HAT GERADE ERST BEGONNEN.


    Interview: Bernhard Lloyd und Micha L.
    Quelle: Interview mit Bernhard Lloyd im Synthetics (Ausgabe: 12/2001)

  • Main-Echo Vermischtes 17.4.2002


    Sie sind älter geworden, schon ein bisschen grau an den Schläfen, Familienväter mittlerweile, aber immer noch treibt sie der Pop um. Für immer Pop. Das zumindest verspricht der Titel des neuesten Lebenszeichens von Alphaville: »Forever Pop« heißt das Remix-Album mit aktualisierten Versionen ihrer bekanntesten Songs, das Alphaville am 18. April im Aschaffenburger Colos-Saal vorstellen will.


    Hits haben Alphaville in ihrer fast zwei Dekaden umspannenden Geschichte reichlich produziert. Der Sinn aber stand ihnen nach anderem. »Vor 17 Jahren wollte nur die Bravo mit uns sprechen«, erzählte Bernhard Lloyd, die eine Hälfte des vor Jahren zum Duo geschrumpften Berliner Electropop-Projekts. Vor allem Marian Gold, Sänger und kreativer Kopf von Alphaville, hat daran zu knabbern, dass seine Musik weitestgehend nur als Popmusik für Teenager wahrgenommen wird.


    Dabei haben Alphaville nicht nur einige der schönsten melancholischen Songs in der Geschichte der populären Musik abgeliefert, sondern durchaus Pionierarbeit geleistet, wenn es um die Etablierung von Elektronik als Sprache des Pop geht. Ihre Überzeugung, dass auch Nichtmusiker mit der entsprechenden Technik gute Musik machen können, war einst provokativ, hat sich aber heute durchgesetzt.


    Im Drang zu Höherem plante Marian Gold schon mal die Verfilmung eines Albums, schließlich hatte er seine Band nach einem Film von Godard benannt. Stets versuchte er, seinem Image zu entkommen. Immer wieder enttäuschte Alphaville die Erwartungen der Medien. Anstatt den Gesetzen des Marktes zu folgen und regelmäßig Singles zu veröffentlichen, brachte man vor drei Jahren eine Box mit neuem Material heraus. Acht CDs stark und 200 Mark teuer. Die 2500 Exemplare von »Dreamscapes« waren nur im Internet zu erwerben, trotzdem schnell vergriffen und werden mittlerweile für das Vier- bis Fünffache ihre Kaufpreises gehandelt. Längst begeben sich Alphaville nicht mehr in die Fänge einer Plattenfirma, sondern produzieren und veröffentlichen in Eigenregie übers Web.


    So gesehen, beruhte ihr Erfolg immer auf einem Missverständnis. Vor allem aber gründete er sich auf einen Zufall: Als Alphaville im Januar 1984 ihre erste Single »Big in Japan« herausbrachten, gab es noch kein Privat-Fernsehen und kaum Plattformen für Musik im TV. Der Plattenfirma gelang es, Alphaville in einer Jugendreihe des ZDF zu platzieren. »Big in Japan« ging fünf Minuten vor 20 Uhr auf Sendung. In der ARD lief Werbung, die Republik wartete auf die »Tagesschau« und Alphaville hatten einen heute gar nicht mehr vorstellbaren Marktanteil von nahezu 100 Prozent. »Vier Wochen später waren wir Nummer eins«, erzählt Lloyd. »Klar, das wäre nicht passiert, wenn die Nummer s****** gewesen wäre. Aber was wäre passiert, wenn wir fünf nach acht auf Sendung gegangen wären?«


    Noch heute gehören »Big in Japan« und der darauf folgende Hit »Forever Young« zum Standardrepertoire des formatierten Radios und sorgen mit den Tantiemen von kleineren Hits wie »Sounds Like a Melody« für das Auskommen von Lloyd und Gold, die ursprünglich aus dem Westfälischen nach Berlin gekommen waren. Die beiden leben heute, so Lloyd, »sicherlich gut, aber bestimmt nicht wie Rockstars«. Tatsächlich, glaubt Lloyd, wäre er ohne die Erfindung der elektronischen Klangerzeugung nie Musiker geworden. »Die Computer-Programme spielen besser, als ich das je könnte«, sagte er und will nicht einmal Musiker genannt werden. »Handwerker? Das kommt der Sache schon näher.«


    Fürs Schöpferische ist eindeutig sein fünf Jahre älterer Partner zuständig. »Ich kenne keinen Menschen, der so viele Ideen hat«, sagt Lloyd über Gold, Lloyds Job ist es, den kreativen Ausstoß seines Kollegen »zu sortieren und umzusetzen«.


    Die Kombination aus sprunghaftem Künstler und verlässlichem Pragmatiker funktionierte nicht immer so gut. Ende der 80er Jahre, bei den langwierigen Aufnahmen zum dritten Album »The Breathtaking Blue«, stritten sich die beiden so ausdauernd, dass sie im Wechsel jeweils für Monate die Studioarbeit boykottierten. Längst aber macht Lloyd wieder erfolgreich aus den Songentwürfen von Gold Popsongs mit.


    Um so schwieriger muss es für manchen Remixer gewesen sein, den alten Hits neues Lebens zu geben. »Manchmal war der Respekt zu groß«, glaubt Lloyd, »einige mussten ermutigt werden, ein bisschen radikaler dranzugehen.« Versammelt sind nun vor allem Mainstream-DJs wie Paul van Dyk oder Eiffel 65. Die etwas avancierteren Produzenten wie Todd Terry oder Johannes Heil folgen auf demnächst erscheinenden Vinyl-Editionen.


    »Forever Pop« ist sofort in die Charts eingestiegen. »Es ist schön«, sagt Lloyd, »dass sich die alten Sachen gut verkaufen, aber auch frustrierend, dass die neuen Songs nicht dasselbe Interesse finden.« Aber was soll man machen, wenn der Fan seine Alphaville-Platten womöglich direkt neben Modern Talking stehen hat. »Deswegen wird meine Platte ja nicht schlechter«, sagt Lloyd. »Forever Young«, das waren Alphaville nie wirklich. »Forever Pop«, das waren sie immer.


    Thomas Winkler


    Quelle: http://www.main-echo.de/news/l…enburg.html?TextID=175670

    Lokalteil - Stadt Aschaffenburg - Mittwoch, 17.04.2002 00:40

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    Ostsee Zeitung Lokales 29.4.2002
    vom Alphaville-Konzert in Rostock am 26.04.2002



    Alphaville bleibt weiterhin Forever Young


    Stadthafen (OZ) Sie sind älter geworden, schon ein bisschen Grau an den Schläfen, Familienväter mittlerweile, aber noch immer treibt sie der Pop um. Für immer Pop – das zumindest verspricht der Titel des neuesten Lebenszeichens von Alphaville: „Forever Pop“ heißt das Remix-Album mit aktualisierten Versionen ihrer bekanntesten Songs, das die Band am Freitagabend im rappelvollen M.A.U. vorstellte.


    Erwartungsvoll standen Fans, die ihr Taschengeld seinerzeit noch für die Vinyl-Maxi von „Big in Japan“ gespart hatten, neben Jugendlichen, die den Klassiker erst bei der letzten Studentenparty für sich entdecken konnten.


    Keine reine Konservenmusik erwartete sie, als der französische Gitarrist und die beiden britischen Bandmitglieder an Keyboard und Schlagzeug ihre Plätze einnahmen. Fehlte nur noch Sänger Marian Gold. Doch zunächst machte sich ein etwas fülligerer Bilderbuch-Roadie mit Sportweste und Seemanns-Tattoos am Mikrofon zu schaffen. Als dieser aber zur allgemeinen Überraschung auch noch zu singen anfing, wurde klar: Die 20 Jahre Bandgeschichte sind am Alphaville-Frontmann nicht spurlos vorübergegangen. Glücklicherweise galt das nicht für seine Stimme: Die ist immer noch glockenhell und bewältigt selbst die hohen Töne – wenn es der Sänger denn will. Denn Gold hatte für das Konzert viele Songs nicht nur radikal umarrangiert, sondern auch eine Tonlage tiefer angesiedelt.


    Die passte auch besser zu den Rockstar-Posen, die der 47-Jährige mit einer Inbrunst einnahm, als hätte er sich am Vortag seine erste Bon-Jovi-Platte gekauft.


    Um so besser, denn die radikale Verjüngungskur bekam dem Programm bestens. Vor allem „Big in Japan“ glänzte als mit schweren Gitarrenbreitseiten angereichertes Energiemonster.


    Selbst „Sounds like a melody“ legte gegenüber dem Streichergalopp der Ur-Fassung noch einen Gang zu.


    Was die einen im Publikum als 80-er-Jahre-Sounds bejubelten, erinnerte die Jüngeren an aktuelle Electronic-Acts. Zumindest die Musik von Alphaville bleibt bis auf weiteres „Forever young“.


    JENNY KATZ


    Quelle: http://www.ostsee-zeitung.de/rs/start_112675_432310.html

  • Leipziger Volkszeitung Lokales 29.4.2002
    vom Alphaville Konzert in Leipzig am 27.04.2002



    Im ausverkauften Anker: Alphaville, aber etwas anders als damals


    Heavy Metal trifft jetzt Synthie Pop



    Der 15. Geburtstag war es, als Hajo, der Kollege meines Vaters mit dem guten Draht zur Musikverkäuferin in der Kreisstadt, mir ein plattengroßes Paket überreichte. Dem Aufreißen des Geschenkpapiers folgte ein Austausch wissender Blicke: Es war die Amiga-Lizenzausgabe mit den größten Hits von Alphaville. Zwar waren da nach dem kometenhaften Durchbruch der Band 1984 bereits vier Jahre vergangen - aber im Zeitalter des Kassetten-Aufnehmens trotzdem ein gern genommenes Präsent.



    Statt der wallenden Lockenmähne trägt Alphaville-Mastermind Marian Gold das Haupthaar nun kurz, dazu auf der Bühne eine schwarze Sportweste. Etwas rundlicher sieht der charismatische Sänger inzwischen aus, aber er strahlt mehr Energie aus als je zuvor. Und gibt alles. Am Sonnabend ohne Pause eineinhalb Stunden lang, ohne auch nur eine einzige Minute den Draht zum ausverkauften Anker-Saal zu verlieren. Ohne auch nur einen Moment so etwas wie Verharren oder gar Langeweile aufkommen zu lassen.



    Hinter dem 44-Jährigen, der männlich dunkel durch die Strophen kurvt und die Refrains dagegen hoch, ja teilweise gefährlich schrill vertont, stehen nicht mehr nur reihenweise Synthesizer. Schlagzeug und elektronische Gitarre treiben den aktuellen Alphaville-Sound dröhnend in Richtung Heavy Metal Synthie Pop. Manchmal steuern Marian Gold & Co. dabei auch kraftvoll in klangliche Gewässer, die für gewöhnlich die Gewalt-Elektronikern von Scooter kontrollieren.



    Aber gerade dieser lärmende Vortrieb macht die Atmosphäre der \"Miracle Healing\"-Show aus. Und deshalb sind \"Big In Japan\" und \"Sounds Like A Melody\", unbestritten die umjubelten Höhepunkte, auch nicht bloße Wiederaufführungen vergangener Hits vom Beginn der 80er, sondern erscheinen mit Getöse in unerwarteten Rock-Versionen. Der musikalische Schwerstarbeiter Marian Gold macht aber nicht nur Radau, sondern kann es auch ganz sachte, ganz balladesk. Wie am Ende: Forever logisch - \"Forever Young.\"



    Martin Wachtelborn



    Quelle: http://www.lvz-online.de/lvz/zeitung/news/96887.html

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    Mopop | 04.05.2002
    Hamburger Morgenpost


    Heiterer Höhenflug


    Die 80er erleben dieser Tage auf Hamburgs Bühnen ein großes Revival. Dienstag kamen Soft Cell, am 14. Mai beehren uns die Simple Minds, und vorgestern spielten die wieder auferstandenen Alphaville in der gut gefüllten Markthalle.


    Die sichtlich in die Jahre gekommenen Jungs um Frontmann Marian Gold boten die ollen Kamellen nicht originalgetreu dar, sondern überraschten auch mit neuen, zeitgemäßen Klängen. So wurde „Big In Japan“ mit modernen Technobeats unterlegt – gar nicht so übel! Die Licht- und Multimediaeffekte hätten den Shows der Chemical Brothers oder Underworld zur Ehre gereicht – und verwandelten die Halle in eine Disco.


    Von stimmlichen Problemen und den aufgesetzten, weil in Englisch gehaltenen, Ansagen des Sängers aus Münster einmal abgesehen, lieferten Alphaville einen soliden Gig ab, der nichts mit einer Oldie-Veranstaltung zu tun hatte. Alphavilles Musik mag nicht jedermanns Ding sein, doch die Fans gingen nach kurzweiligen 90 Minuten mehr als zufrieden.


    Quelle: http://archiv.mopo.de/archiv/2…rg/kultur_mopop/6226.html

  • Guter alter Rock heizt beschauliche Idylle auf


    Bocholt. Das eher verschlafen am Bocholter Wald gelegene Stadion \"Am Hünting\" wurde am Freitag Schauplatz eines hochkarätigen Gastauftritts: Der Vater des kanadischen Soft-Rocks, Bryan Adams, verwandelte die ausverkaufte Anlage in eine Party-Arena.


    Und inmitten der Bocholter Landidylle bewies der 43-Jährige in Begleitung seiner dreiköpfigen Band mit Gitarrist Keith Scott, dass der gute alte Rock in Zeiten elektronischer Techno-Beats noch immer eine große Fangemeinde hat. Bryan Adams betrat zwar erst nach drei Vorgruppen (Alphaville, Fool´s Garden, Yorck) die Bühne, konnte aber schon mit dem ersten Stück \"It´s a new day\" das Publikum für sich gewinnen.


    Neben aktuelleren Hits des Albums \"On a day like today\" griff der smarte Musiker und Komponist auf Publikums-renner wie \"Summer of 69\" und melancholische Balladen wie \"Everything I do\" zurück.


    Höhepunkt für eine kleine Gruppe glücklicher Fans, die geduldig an der Mittelbühne ausgeharrt hatte, war der Moment, als Bryan sie zum Tanz direkt an seiner Seite aufforderte. Zu Kult-Rock´n-Roll-Hits durfte das dankbare Dutzend sein Idol dann buchstäblich hautnah erleben.


    Nach zweieinhalb kurzweiligen Stunden einer mitreissenden Mischung aus Balladen und traditionellen Rock-Songs verabschiedete sich Bryan Adams von seinem hörbar zufriedenen Publikum.


    14.07.2002 Von Violetta Ritzenhoff


    Quelle: Westfalenpost

  • Der in Insider-Kreisen mittlerweile bekannte Redakteur Jens Höhner von e-elctric.de hat in einem Interview mit Alison Moyet kürzlich folgendes geäussert (kleiner Auszug aus dem Interview):


    e-lectric: Was halten Sie vom 80-er-Jahre-Revival, das hier in Deutschland gerade stattfindet? Gibt es das in England auch?
    Moyet: Ehrlich gesagt – ich bin ziemlich blind und taub, was die aktuelle Musikszene angeht. Ich habe mich um aktuelle Musik gekümmert als ich 16 war, danach nicht mehr. Vom 80-er-Revival habe ich erst erfahren, als ich neulich Promotion machte in Deutschland. Was bedeutet es – verkaufen die alten Künstler plötzlich nur wieder viele Platten oder gibt es sie auch wieder?
    e-lectric: Es bedeutet beides – und zudem vor allem eine Vielzahl schlechter Coverversionen oder mieser Dancefloortracks mit Samples aus 80-er-Jahre-Klassikern. [glow=#FF0000,3]Gerade habe ich in Köln ein Soft Cell-Konzert erlebt, davor eins der deutschen Synthesizerband Alphaville – die besten Shows, die ich jemals gesehen habe.[/glow] Da können sich junge Bands noch einiges abgucken. Zudem gibt und gab es neue Alben von Human League, Soft Cell oder Prefab Sprout. Auch Erasure sind wieder im Studio.
    Moyet: Naja, aber Marc Almond hat doch nach Soft Cell kontinuierlich weiter gearbeitet. Oder nicht? Er war vielleicht nicht so präsent wie zu den Soft Cell-Zeiten, aber er war da. Doch es stimmt schon – aus dieser Zeit stammen viele Künstler, die es wirklich drauf haben.

  • Wiesbadener Tagblatt


    [glow=#FF0000,3]Für jeden Jahrgang[/glow]


    Tourneestart für „Nokia Night of the Proms“
    Vom 06.12.2002

    df. – Wenn 139 Musiker und Sänger drei Stunden lang Ohrwürmer aus Klassik und Pop auf die Bühne bringen, muss einfach für jeden etwas dabei sein: Mit diesem ebenso simplen wie erfolgreichen Konzept startete in der ausverkauften Frankfurter Festhalle die „Nokia Night of the Proms“ in ihre alljährliche Deutschland-Tournee. Dabei störte es niemanden, dass die prominenten Lieblinge wie die Simple Minds, die Pointer Sisters, Foreigner, Alphaville und die Cutting Crew bereits in die Jahre gekommen sind.


    Seit 1994 bringt das Spektakel für alle Altersklassen neben dem Orchester Il Novecento, dem Chor Fine Fleur und der Electric Band von John Miles („Music“) eine Riege bekannter oder bekannt gewesener Pop-und Rockbands in Deutschlands größte Konzerthallen. Dabei scheint es beinahe egal, wer auftritt. Zehntausende Karten für die bis zum 22. Dezember laufende Tournee waren schon verkauft, bevor eine einzige Gruppe feststand. Die Fans kommen wegen der Partystimmung.


    Als Party wurde die musikalische Promi-Nacht auch geboren. 1985 feierten belgische Studenten in Antwerpen die erste „Night of the Proms“ nach dem Vorbild der britischen Promenadenkonzerte. Um allen Geschmäckern gerecht zu werden, wurde das Programm um Pop-Evergreens ergänzt. 630000 Besucher werden nach Schätzungen während der Tournee durch Belgien, die Niederlande und Deutschland in die 52 Shows strömen.


    8900 Fans bejubelten die zeitlosen Achtziger-Jahre-Hits, auch wenn nicht an allen Interpreten die Zeit spurlos vorüber gegangen ist. Der eine oder andere hat über die Jahre Stimmvolumen eingebüßt und dafür an Körpervolumen zugenommen. Keine Spur davon jedoch bei den drei Pointer Sisters („Im so excited“), die in Topform den größten Beifall ernteten.


    Ihnen folgte auf der Begeisterungsskala die schottische Erfolgsband Simple Minds („Dont You“) mit ihrem noch immer charismatischen Frontmann Jim Kerr sowie der erst 21-jährige Geigenvirtuose David Garrett. Am Ende des Abends versammelten sich alle Künstler noch einmal auf der Bühne und sangen den Beatles-Klassiker „Let it be“.

  • NRZ / 16.12.2002 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN


    [glow=#FF0000,3]Wollmütze und Schlabberjeans zum Violin-Konzert[/glow]



    MUSIKSHOW / Die "Nokia Night Of The Proms" hatte einen 21-jährigen Star - und Stars, die vor rund 20 Jahren Erfolge hatten.
    "Der ist spitze, der Junge", sagt die Dame, klatscht mit ihren beringten Händen so heftig, dass auch das goldene Armkettchen wild hin und her schlackert, und verlässt dabei mit ihrem Blick nicht eine Sekunde die Bühne. Dort steht jemand, der gut und gerne ihr Enkel sein könnte. Und seine zerrissene, ausgewaschene Jeans, das Schlabber-Hemd und die weit ins Gesicht gezogene Wollmütze würde wohl jede Oma verzeihen. Schließlich hat er den Oma-Sympathie-Joker in der Hand: die Violine. Spielen kann er sie auch - und wie ! Der gerade einmal 21 Jahre alte David Garrett war am Sonntagabend der Held der dritten "Nokia Night Of The Proms" in der Arena.


    Die anderen Stars, oder besser: Attraktionen, der dreistündigen "Pop trifft Klassik"-Show sind ungefähr so alt wie Garrett: Hits aus den 80er Jahren. Und weil die derzeit gefragt sind, tauchen auch ihre Interpreten plötzlich wieder auf.


    80er-Hits im Ohr, Teeniefilm im Kopf


    Zum Beispiel "Cutting Crew". Kurz nachdem das 75-köpfige Orchester "Il Novecento" unter der Leitung von Robert Groslot das Finale der Ouvertüre von Rossinis "Wilhelm Tell" gespielt hatte, kam Nick Van Eede auf die Bühne, begann "I Just Died In Your Arms Tonight" zu singen - und war sofort das, was er für den radiohörenden Popkonsumenten wohl immer nur sein wird: die Stimme zum Lied. Bilder von Teenie-Filmen aus den 80ern und von großen Ohrringen in Neonfarben rauschten durch den Kopf, und "Ive Been In Love Before" war die absolut passende Begleitmusik dazu.


    Das Orchester hielt sich beim Auftritt von "Cutting Crew" dezent zurück. Dabei feierte es soeben den heimlichen Sieg über das Keyboard, das gerade in den 80-ern immer häufiger versuchte, Geigen zu imitieren. Und jetzt waren es ausgerechnet die Streicher, die das gemachte Bett bildeten, in das sich Nick van Eede legte. So kanns gehen.


    Wie das Experiment "Pop trifft Klassik", das schon lange keines mehr ist, funktioniert, weiß kaum jemand so gut wie John Miles. Zum x-ten Mal saß er am Flügel, sang "Music Was My First Love And It Will Be My Last" - und man glaubte es ihm immer noch. Das Lied, das ihn unsterblich gemacht hat, ist Hymne der "Night Of The Proms". Grandios wirkten Gesang, Klavier, Band, Orchester und der Chor "Fine Fleur" hier zusammen. Und wäre es in der König-Pilsener-Arena mucksmäuschenstill gewesen, hätte man hören wohlmöglich können, wie sich Millionen von Arm- und Rückenhärchen von fast 12 000 Menschen zur kollektiven Gänsehaut aufstellten.


    La-Ola-Wellen und Lichtermeer


    Dass die "Nokia Night Of The Proms" so wunderbar atmosphärisch war, dafür sorgten auch die Zuschauer selbst: Mit Lichtern, La-Ola-Wellen, Tanzen, Singen, Klatschen. . .


    So war es dann auch kein Problem, dass Marian Gold, Sänger der Gruppe "Alphaville" das Publikum den Refrain von "Forever Young" singen ließ. Das kennt man halt. Die "Pointer Sisters" waren "So Excited", dass es nur eine Reaktion gab: "Jump". Klar, "Urgent" mussten "Foreigner" bringen, und in der Arena war es dann alles andere als "Cold As Ice". "He he he heeeyyy, uuhhh", so geht der Anfang von "Dont You" - auch ein Hit aus den 80ern. Die "Simple Minds" haben ihn geschrieben. Sie kamen als Ersatz für "Roxette". Besonders ihr "Belfast Child" profitierte von der Klassik-Version.


    Ach ja: pure Klassik gabs auch. Klar, auch diesmal nur ein paar leckere Häppchen, die auch jene nicht vor den Kopf stießen, die bei "La donna é mobile" an Choco Crossies denken müssen - der Reporter schließt sich da übrigens nicht aus.


    An den virtuos spielenden David Garrett wird man sich erinnern, ganz bestimmt.


    MARC HIPPLER

  • [glow=#FF0000,3]Popmusik auf einer Stradivari[/glow]



    Was hat Thüringen, was die anderen neuen Bundesländer nicht haben? The Nokia Night Of The Proms. Jedes Jahr im Dezember verabreden sich für einen Abend Klassik und Pop zum Rendezvous in der Erfurter Messehalle. Und diese Stunden sind voller Überraschungen und Amüsement. Der Chor \"Fine Fleur\" flirtet mit dem Orchester \"Il Novecento\", der Pauker mit dem Publikum, Dirigent Robert Groslot mit den Backgroundsängerinnen. Besucher vergnügen sich köstlich, freuen sich, wie ernste Musik mit leichter harmoniert: Unterhaltsames auf hohem Niveau.


    Bereits zum vierten Mal trafen sich am Dienstag Pop und Klassik in der Landeshauptstadt. 6000 Gäste kamen, um musikalische Entdeckungen zu feiern, Urgesteine zu umjubeln und um Spaß zu haben. Sänger Nick van Eedes von der Cutting Crew sorgte schon zu Beginn des Konzertes mit \"I Just Died In Your Arms Tonight\" und \"I´ve Been In Love Before\" für tosenden Beifall. Als dann mit John Miles und seiner \"Electric Band\" \"Music\", die Erkennungsmelodie der Nokia Night, erklang, sich ein Lichtermeer im Saal ergoss, wussten Musiker, Sänger und Publikum: Das ist unser Abend.


    Sympathie ergeigte sich das 22-jährige Violinen-Talent David Garrett. Auf einer Stradivari von 1718 spielte der in Aachen geborene Sohn deutsch-amerikanischer Eltern Modernes und Saint-Säens \"Totentanz\" sowie Montis \"Csárdás\". Sein lässiges Auftreten und seine unkonventionelle Kleidung, Wollmütze mit Schlabber-T-Shirt, erinnerten an den Virtuosen Nigel Kennedy. Alphaville kramte im Erfolgsarchiv und holte \"Forever Young\" heraus.


    Alles schien perfekt zu sein bei diesem Spektakel für alle Altersklassen: die aufwändige Lichtshow, das interessante Bühnenbild, die originellen Arrangements, die klug ausgewählten Stücke von Strauss, Rossini, Lehar, Tschaikowski..., die Mischung von peppigen Rhythmen mit besinnlichen und die populären, alternden Stars. Aber: Drei schwesterliche Energiebündel namens \"The Pointer Sisters\" beförderten den Höhepunkt der Show bereits in den ersten Teil. Sie zeigten sich in Topform. Ihre zeitlosen Hits wie \"Fire\" und \"I´m So Excited\", ihr gigantisches Stimmvolumen und ihr Temperament rissen fast jeden Besucher vom Stuhl. Zwar standen viele Fans bei dem Auftritt der Foreigner-Rock´n´Roller und der schottischen Band \"Simple Minds\", die letzten in der Oldie-Riege, doch die Begeisterungsstürme flachten ab. Erst zur Nokia Night-Hymne \"Land Of Hope And Glory\", angestimmt von den 50 Chorsängern, begleitet vom 72-köpfigen Orchester und aus vollester Kehle vom Publikum in den Saal geschmettert, begann die Halle in jeder Ecke zu beben.


    Ilona Berger

  • tja, zu Crazy Show hab ich zwar noch keine Rezension gefunden, aber zumindest schon mal einen Hinweis das eine folgen wird.
    Beim Online-Musikmagazin Reflexion ist dort schon ein Eintrag zu finden, jedoch ist dieser noch nicht verlinkt.


    Außerdem promotet die Seite mit einem Popup-Fenster (ein Fenster das sich beim Aufruf der Webseite automatisch als kleines Fenster darüber öffnet) das neue Album.


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    LONG PLAYING RECORD


    Jukebox - Der musikalische Aszendent


    Groß-Pop, auch wenn man dagegen ist: Forever Young


    Man kann Alphaville ja allerhand vorwerfen: klebrige Keyboard-Sounds, Missbrauch eines Kultfilm-Titels, pomadige Popperlocken, Lederjacken mit Schulterpolstern, die Weigerung, einfach still und leise zu verschwinden - und nicht zuletzt \"Forever Young\", ein Song, ohne den bis heute keine zweitklassige Klassenparty komplett wäre. Aber eins darf man halt auch nicht vergessen: Eben jenes \"Forever Young\" mag über die Jahre zu Tode genudelt worden sein, aber für eine Leiche gibt es immer noch einen prima Popsong ab - einen der besten, der je geschrieben wurde, einer von denen, die man ruhig perfekt nennen darf. Denn er vereint eine Melodie, die unweigerlich und aus dem Stand sofort im Ohr stecken bleibt, schon im Titel mit dem ersten und immer noch vornehmlichen Thema, für das die Popmusik überhaupt erst erfunden wurde. Nun weiß man ja, dass alles Lebendige vergänglich ist, und wer sich dieser Tatsache bislang noch erfolgreich verschlossen hat, der muss nur, sagen wir mal, warten, dass Günter Netzer auf seinem Fernsehschirm erscheint, um auf besonders bösartige Weise auf den Boden der biologischen Grundsätze zurückgebracht zu werden.


    Aber gerade weil das Unweigerliche so allgemein bekannt ist, braucht es eine Macht wie die Musik, die einen für ein paar Minuten vom Gegenteil zu überzeugen versteht. Das ist dann großer Pop. Dieser große Pop wird zu endgültig perfektem Pop, wenn er das verführerische Gefühl, unsterblich sein zu können, ausdrücklich versöhnt mit dem Wissen um die Täuschung, der man gerade erliegt. Deswegen ist perfekter Pop meist melancholisch, so wie \"Forever Young\".


    Dass die Urheber dieses Meisterstücks eigentlich vollkommen unmusikalisch sind und ihre Songs am Computer zusammenschachtelten wie Vorschulkinder ein Haus aus Legosteinen, tut nicht wirklich etwas zur Sache. Auch nicht, dass Sänger und schlampiges Genie Marian Gold das Unternehmen mittlerweile im Alleingang und aus dem vornehmlichen Grunde betreibt, Brötchen zu verdienen, während er schon seit Jahrzehnten demonstrativ unter dem festzementierten Image als Teenie-Ikone leidet. Aber vielleicht war er es das wert, dieser eine Song, der perfekte.


    taz Berlin lokal Nr. 7446 vom 27.8.2004, Seite 28, 76 Zeilen (Kommentar), THOMAS WINKLER

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    Der Brian Ferry von Münster


    Alphaville waren zum letzten Mal Mitte der Achtzigerjahre erfolgreich und machten trotzdem immer weiter. Jetzt feierten sie im Tipi ihren zwanzigsten Geburtstag.
    Man erinnere sich noch einmal an das Jahr 1984. Während sich die Welt vor George Orwells schrecklichen Prophezeiungen fürchtet und die Bundesbürger missmutig der Umsetzung des Nato-Doppelbeschlusses entgegensehen, leisten im beschaulichen Münster drei schlaksige Männer ihren Beitrag zum florierenden Synthiepopgeschäft und schenken den endzeitlich gestimmten Massen mit \"Big In Japan\" ein schönes Lied. Dank Zeilen wie \"When youre big in Japan tonight / Big in Japan, be tight / Big in Japan, ooh the eastern seas so blue\", weiß zwar niemand so genau, worum es in dem Titel - der angeblich von der Heroinsucht handeln soll - eigentlich geht, doch weil der Sänger Marian Gold die rätselhaften Worte so ansprechend singt, schafft es das Lied in zwanzig Ländern in die Charts. Die nachfolgenden Singles \"Sounds Like A Melody\" und \"Forever Young\" sind sogar noch erfolgreicher, doch mit \"The Jet Set\" beginnt 1985 das Interesse zu schwinden.


    Aber Marian Gold macht weiter. Ob nun die Mitstreiter wechseln, das Plattengeschäft sich widerspenstig zeigt oder die Öffentlichkeit anderen Musikerzeugnissen den Vorzug gibt - Alphaville halten durch. Am Sonntagabend haben sie deshalb ihr zwanzigjähriges Bestehen gefeiert. Den angemessen festlichen Rahmen bot dazu das Tipi, das beliebte Zelt am Bundeskanzleramt, das mit erwartungsfroh gestimmten Fans, die aus aller Herren Länder angereist waren, aus den Nähten platzte. Schon bevor die Band die Bühne betrat, gab es Standing Ovations, was vor allem diejenigen wundern mag, die von der Nachricht überrascht sind, dass es Alphaville überhaupt noch gibt. Doch weil Aphaville es geschafft haben, über ihre Homepage eine intensive Fanbetreuung aufzubauen, können sie es sich auch erlauben, in regelmäßigen Abständen Studio-CDs, Live-CDs, Remix-CDs oder auch CD-Boxen zu veröffentlichen, die übers Netz direkt den Endverbraucher erreichen.


    Es versteht sich daher von selbst, dass man als Nicht-Fan kaum einen Alphaville-Titel kennt. Man kann auch nicht wissen, dass Marian Gold, der sich über die Jahre vom jungen Schlaks in einen reiferen Herren mit Gebrauchtwagenhändlerbauch verwandelt hat, seine Brian-Ferry-Verehrung derart zur Perfektion bringen konnte, dass er das Brianferryhafte mittlerweile besser beherrscht als Brian Ferry selbst. Dazu gehört unter anderem der fliegende Wechsel zwischen den Tonarten, der es ihm erlaubt, vom sonoren Gruftbrummen bruchlos ins rumpelstilzchenartige Quengeln überzugehen. Herrlich funktioniert auch der Bewegungsapparat. Gerade so, als würde die Musik in seinem Rückenmark geheimnisvoll verzögerte Impulse auslösen, neigt Marian Gold dazu, die Lieder mit seinen Armen und Beinen stets fünf Zehntelsekunden neben dem Takt gestisch zu untermalen. Man könnte auch sagen, er kann nicht tanzen. Doch nur wenige beherrschen die hohe Kunst des Nicht-Tanzens so eindrucksvoll wie er.


    Und so singt er sich zunächst mit Begleitung von Piano, Akustikgitarre und den Streichern des Berliner Salonorchesters durchs Repertoire, bis Alphaville später als voll funktionstüchtige Rockband in Erscheinung treten. Das Publikum hält es zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr auf den Stühlen. Ein völlig unbekannter Hit folgt auf den nächsten, und jedes Mal, wenn Gold eines der zur Erinnerung notwenigen Textblätter nicht mehr braucht, zerknüllt er sie mit forschem Griff und wirft sie nonchalant in die Menge. Gegen Ende gibt es dann \"Big In Japan\" und \"Forever Young\", weshalb es im Tipi zu einem herzerweichenden Teelichterschwenken kommt.


    taz Berlin lokal Nr. 7449 vom 31.8.2004, Seite 25, 120 Zeilen (TAZ-Bericht), HARALD PETERS

  • Alphaville-Sänger Marian Gold fürchtet um seine markante Stimme


    Prag (dpa) - Marian Gold, Sänger der deutschen Band Alphaville («Big In Japan»), fürchtet wegen des ständigen hohen Gesangs um seine markante Stimme. «Ich gebe mir vielleicht noch fünf Jahre, dann werde ich diese Bandbreite wohl nicht mehr besitzen», sagte der 50-Jährige vor der am Samstag in Dresden beginnenden Deutschland-Tournee.


    Sollte er mit der Stimme unzufrieden sein, werde er «über technische Möglichkeiten» nachdenken, kündigte der Frontmann der Gruppe an: «Vielleicht wird auch statt mir jemand anderes singen.»


    Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens wird die Gruppe in den nächsten Tagen unter anderem in Leipzig, Erfurt, Berlin und Dresden auftreten. Auf Sachsen freue er sich auch wegen Karl May, betonte Gold am Rande eines Auftritts in Prag: «May hatte wie Alphaville Geschichten erfunden und etwas Hochstaplerisches. Ich sehe eine faszinierende Gemeinsamkeit.»


    Dazu gehöre, dass er nie in Japan gewesen sei, obwohl die Band 1984 mit dem Hit «Big In Japan» bekannt geworden sei, sagte Gold. «Das ist wie vieles bei Alphaville aus der Fantasie geschöpft. Ich habe immer schon gerne Geschichten erfunden.»


    Derzeit schreibe er an einer Musical-Version von «Alice im Wunderland», sagte der Sänger. Das Stück soll im Herbst 2005 in Würzburg uraufgeführt werden. «Der Stoff interessiert mich schon lange», betonte Gold. Selbst will er aber höchstens als Statist mitspielen: «Für die Rolle der Alice bin ich definitiv zu alt.»


    Quelle: Aachener Zeitung, 15.10.2004

  • Der Beliebigkeit entkommen


    Immer wenn man mit dem Schlimmsten rechnet, etwa mit recyceltem Pop aus den 80ern, wird man vom Angenehmsten überrascht.


    Als würde er sich zunächst vor dem Gewandhaus verneigen, singt Alphaville-Frontmann Marian Gold amSonntag ganz unprätentiös vor Kammermusikern, genauer gesagt vor dem Berliner Salonorchester. Die balladenhaften Arrangements sind skandalös schön, elegisch und erotisch zugleich. Sie erklären, warum Alphaville die Disco-Ära der 80er und den Spaßzwang der 90er überleben konnten: Da ist ein Anspruch. Ein zu hoher, um es allen Fans und Plattenmanagern recht machen zu wollen. Denn beide Spezies wollen das Vertraute. Die Band entzog sich dieser Erwartung mit annehmlichen und bitteren Konsequenzen. Kein einziges Konzert in einem Jahrzehnt. Wenig Beachtung in den Medien. Statt dessen stellten die Musiker ihre fragmentarischen Produktionen ins Internet, ließen Bewunderer teilhaben und mitmischen und limitierten ihre Alben, um der Beliebigkeit zu entgehen.



    Als die Berliner Streicher die Bühne verlassen, beginnt der rockige zweite Teil des Konzerts. Vermutlich durch den eigenen Welthit schon zu Lebzeiten reinkarniert, erreicht der inzwischen 50-jährige Marian Gold die körperliche und stimmliche Fitness von damals. Seine Vitalität ist ansteckend, nur die roten Gewandhausstühle behindern bequem. Doch als die vertrauten Takte von \"Big in Japan\" anklingen, schnellen die Gäste von den Sitzen. Glühwürmchen schwirren, gezündet aus Feuerzeugen. Wer tanzen will, nutzt die 30 Quadratzentimeter vor sich. Auch wenn die Gold-Kehle manch alten Hit nicht mehr hören mag, den Fans sei alles gegönnt. Ein leichtes Erdbeben durchfährt den Augustusplatz, als sich Band und Besucher im ewig jungen Ohrwurm vereinen.



    Irgendwann stellt sich jeder mal die Frage, warum er ungefragt altern muss, um dann überflüssigerweise zu sterben. Irgendwann rührt jeden im zarten Alter zwischen 7 und 70 dieses fucking \"Forever young\", dieses verflucht schöne Lied. Das war schon vor 20 Jahren so, und das wird auch in 20 Jahren so sein.


    Angela Rändel


    Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 19. Oktober 2004

  • „Alphaville“ feiern im Forum 20. Geburtstag


    Mit Songs wie „Big in Japan“ und „Forever Young“ begeisterte sie in den 80ern ungezählte Fans, in diesem Jahr feiert sie einen runden Geburtstag: Die deutsche Synthi- und Elektro-Pop-Band „Alphaville“ wird 20 Jahre alt. Die Band um Sänger Marian Gold hat das zum Anlass für eine Geburtstags-Tour genommen. Und wird dabei auch in Leverkusen Halt machen - und zwar am Freitag, 29. Oktober, im Großen Saal des Forum, Am Büchelter Hof in Wiesdorf.


    Karten sind im Vorverkauf zu Preisen zwischen 19,90 und 27,90 Euro an den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. Der Saal ist beim Konzert komplett bestuhlt.


    Leser des „Leverkusener Anzeiger / Kölner Stadt-Anzeiger“ kommen mit etwas Glück vielleicht sogar kostenlos zum Konzert-Vergnügen. Die Redaktion verlost heute, Donnerstag, 21. Oktober, fünfmal zwei Tickets. Wer sich dafür interessiert, sollte sich pünktlich zwischen 13 und 13.05 Uhr unter 0214 / 83 10 34 melden. Die ersten fünf Anrufer gewinnen. (GEK)


    Quelle: Kölner Stadtanzeiger vom Donnerstag, 21. Oktober 2004

  • Selbst die Lightshow konnte das Tempo nicht immer mithalten


    Die Band Alphaville machte am Freitag aus dem Großen Saal einen Tanzsaal.
    Über den Status „One-Hit-Wonder“ ist Alphaville deutlich hinaus: Es waren genau drei Hits, mit denen die Band um Sänger Marian Gold in den achtziger Jahren Berühmtheit erlangte: „Big in Japan“, mit dem die Band vor genau 20 Jahren ihr gefeiertes Debüt gab, „Sounds like a Melody“ und natürlich „Forever Young“, der Hymne all jener, die gerne ihre persönliche ewige Jugend ausrufen würden. Mit einigen Abstrichen kommt mit „The Jet Set“ noch ein vierter Song hinzu. Das alles aber ist lange her, umso überraschter mag mancher gewesen sein, als kürzlich Plakate davon kündeten, dass diese Band den Großen Saal des Leverkusener Forums beschallen sollte.


    Was würde einen erwarten, 20 Jahre nachdem Alphaville mit Synthesizer-Pop und dem schillernden Frontmann Gold die Charts gestürmt hatte. Was die wenigsten wissen: Alphaville hat auch in den neunziger Jahren zwei Alben herausgebracht, zwischendurch in einem Projekt Songs im Internet publiziert und arbeitet derzeit an einem neuen Album. Von der dreiköpfigen Band ist einzig Sänger Marian Gold übrig geblieben, der mit neuer Besetzung aus dem Studio-Projekt „Alphaville“ eine bühnenfähige Live-Band entstehen ließ.


    Völlig unspektakulär und zunächst nur von einem Pianisten begleitet betrat Gold die Bühne, und der erste Eindruck mag Unglauben hervorgerufen haben: Der Mann, der einst als deutsche Kreuzung aus Freddie Mercury und Bryan Ferry gelten konnte, ist im ganzen deutlich runder geworden und präsentierte sich mit Bärtchen und weitem Hemd. Eine Zuschauerin erklärte anschließend, er habe sie fatal „an Jürgen von der Lippe erinnert“. Dennoch wurde es kein peinlicher Abgesang auf vergangene Zeiten, denn Gold streifte jegliche schwülstige Patina, in die er sich einst gern hüllte, ab und trat völlig unprätentiös und freundlich lächelnd in direkten Kontakt mit dem Publikum. Einzig an der schwunghaften Bewegung in der Schulter mit dem Mikro in der Hand erkannte man deutlich die bekannte Gestalt des Alphaville-Sängers. Und natürlich an der unverkennbaren, gefühlvollen Stimme, die dem kalten Synthesizer-Sound der Band immer noch einen wohlig-warmen Ausdruck verleiht. Bei den ersten Songs lässt sich Gold von Streichern des Berliner Salon-Orchesters begleiten. Die bekannten Songs spart er sich für den zweiten Teil auf, den er mit den Worten „Rock\'n\'Roll“ ankündigt.


    Wer daran angesichts des bekannten Songrepertoires sowie der Komplettbestuhlung im Großen Saal nicht recht glauben wollte, wurde überrascht: Gold und Band gaben richtig Gas mit jüngeren und ganz neuen Songs. Selbst die computeranimierte Lightshow kam nicht immer mit und gelegentlich erschien eine Betriebssystem-Sanduhr auf der Projektionsfläche und bat vergebens „Einen Moment bitte“. Begeisterung riefen die bekannten Songs hervor, aber auch unbekanntere Stücke rissen die Besucher immer wieder von den Stühlen. Und als nach der ersten Zugabe dann auch der letzte der bekannten Songs, nämlich „Forever Young“, gespielt war, und das Publikum trotzdem noch eine Zugabe forderte, war klar: Gold und Band haben alles richtig gemacht.


    Diana und Martin Prinz, 42 und 29 Jahre alt, waren eigens aus Bonn angereist. Sie ist Alphaville-Fan der ersten Stunde, er mag die Musik der achtziger Jahre generell. Ihnen gefiel das Konzert gut, „nur die Sitze waren dämlich“. Elke Buslap, 35, bezeichnet sich als erster Alphaville-Fan Kölns. Ihr hat es im Forum gefallen, zuletzt habe sie die Band in Köln gesehen, da seien sogar Punks gewesen, die dann plötzlich wild getanzt hätten. Andreas Pelzer, 36, aus Köln, gefallen auch die unbekannteren Alphaville-Alben. Oliver Martin war mit seiner Frau da, ihnen hat der Abend Spaß gemacht. Alle stehen auf Musik der Achtziger, von den Pet Shop Boys über Falco bis Depeche Mode oder A-ha. Und sie waren sich einig, dass es durchaus angemessen für Musikfans ihres Alters, dass man sich zwischendurch auch mal hinsetzen könne, wenn auch die gestaffelten Eintrittspreise von 19 bis 29 Euro im Prinzip zu hoch gewesen seien. Das erklärt auch, dass nur rund 250 Zuschauer diesen Auftritt sahen. Er hätte deutlich mehr verdient gehabt.


    VON STEFAN ANDRES, 01.11.04, 07:21h, aktualisiert 01.11.04, 13:03h
    Quelle: Kölner Stadtanzeiger vom Montag, 01. November 2004

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